Kolloquium zum Thema Nachbarschaft und Islam

Reflexionen über Forschung und Praxis zeigen auch Grenzen des Wissens auf: Uns beschäftigte die Frage nach der Alltagsrelevanz des islamischen Glaubens in nachbarschaftlichen Beziehungen und dem Zusammenleben in Unterkünften für Geflüchtete oder Wohnquartieren.
Gemeinsam mit Vertreter_Innen der Berliner Senatsstrategie „BENN  – Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“ haben wir deshalb am 20. August 2019 ein Kolloquium mit islamwissenschaftlicher „Verstärkung“ durchgeführt. In der Diskussion wurde deutlich: Ob nun in Bezug auf islamische Traditionen, gegenseitige Hilfe oder soziale Konflikte – religiöse Werte haben für das nachbarschaftliche Zusammenleben nicht die Schlüsselfunktion, die ihnen vielfach zugeschrieben wird. Die religiöse Gemeinschaft ist ebenso wie Nachbarschaft und verwandschaftliche Beziehungen eher einer von mehreren Aspekten des persönlichen Netzwerkes. Sie eröffnet gerade den neu Angekommenen Kontakte und ermöglicht es ihnen, auf Ressourcen zuzugreifen.

Die Diskussion machte deutlich, dass die Wahrnehmung von vielfältigen Bedeutungen in Forschung und Praxis ein schwieriges Unterfangen bleibt – die Sehnsucht nach Eindeutigkeit und das Reden von „dem Islam“ verstellen nicht selten den Blick. Der Umgang mit Mehrdeutigkeit (Ambiguität) bedarf deshalb auch in unserem Forschungsvorhaben noch einer vertiefenden Auseinandersetzung.